
Starke Technik für die stärkste Blutbahn
Bergmannsheil setzt neues Verfahren bei komplexen Erkrankungen der Hauptschlagader ein
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30.07.2026Das BG Universitätsklinikum Bergmannsheil hat ein neuartiges, besonders schonendes Operationsverfahren an der Hauptschlagader eingeführt. Mit einer individuell modifizierten Hybridprothese können benachbarte Gefäßbereiche – der Aortenbogen, die linke Armarterie sowie die absteigende Aorta – in nur einem Eingriff versorgt werden. Lebensgefährliche Erkrankungen an diesen Gefäßen können auf diese Weise sicher, schonend und mit kürzerer Operationszeit behandelt werden.
Die Aorta ist die zentrale Blutbahn des Körpers. Sie transportiert das Blut vom Herzen in alle Regionen und versorgt damit Organe, Kopf, Arme und Beine. Schäden an der Aorta können lebensgefährliche Blutungen oder Durchblutungsstörungen verursachen – etwa durch krankhafte Ausweitungen (Aneurysmen), Einrisse (Dissektionen) oder instabile bzw. verengte Abschnitte im Aortenbogen. Der Aortenbogen ist der gekrümmte obere Abschnitt der Hauptschlagader, der die Verbindung zwischen der aufsteigenden Aorta, den hirn- und armversorgenden Halsgefäßen und der absteigenden Aorta darstellt.
Drei Gefäßabschnitte in einer Prozedur operieren
„Nicht selten ist neben dem Aortenbogen zugleich auch die abzweigende linke Armarterie erkrankt, bzw. deren Ursprung aus der Aorta chirurgisch nicht gut zugänglich“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Peter Haldenwang, oberärztlicher Leiter des Schwerpunktes Aortenchirurgie an der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie (Direktor: Prof. Dr. Justus Strauch). „Dies machte bisher eine zusätzliche Anlage eines extraanatomischen Bypasses erforderlich – sozusagen ein gefäßchirurgischer Umgehungsweg. Dies bedeutet einen entsprechend hohen Aufwand für den Chirurgen und ein größeres chirurgisches Trauma für den Patienten“. Dank der neuen, individuell modifizierten Hybridprothese können nun die drei Gefäßabschnitte in nur einer Operation behandelt werden.
Dabei wird der erste Abschnitt des erkrankten Aortenbogens mittels einer konventionellen Gefäßprothese ersetzt, während die absteigende Aorta und die linke Armarterie jeweils mit einer Gefäßstütze (Endograft) von innen stabilisiert werden. Dies bedeutet eine erhebliche operative Zeitersparnis, ein geringeres Blutungsrisiko und ein erheblich reduziertes Trauma für den Patienten.
Erfolgreiche Anwendung
Die ersten Behandlungen mit der neuen Hybridprothese im Bergmannsheil – darunter ein akuter Notfall – verliefen erfolgreich. Die Patientinnen und Patienten konnten postoperativ rasch mobilisiert werden. Das chirurgische Aortenteam um Prof. Strauch und Priv.-Doz. Dr. Haldenwang bewertet die Einführung des Verfahrens als wichtigen Fortschritt. „Die intraprozedurale endovaskuläre Versorgung der linken Armarterie stellt einen Meilenstein in der Chirurgie des Aortenbogens dar“, so Priv.-Doz. Dr. Haldenwang. „Sie vereinfacht den operativen Ablauf und ermöglicht eine sichere, moderne und patientenorientierte Therapie komplexer thorakaler Aortenerkrankungen.“
Bild: Prof. Dr. Justus Strauch (links) und Priv.-Doz. Dr. Peter Haldenwang (rechts) mit dem ersten Patienten, der im Bergmannsheil die neue Hybridprothese erhalten hat. Bildnachweis: Bergmannsheil
